Google Maps zeigt gelöschte Bewertungen in Deutschland
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99,97 Prozent aller EU-Löschungen kommen aus Deutschland
Google Maps zeigt seit April 2026 auf deutschen Unternehmensprofilen einen neuen Hinweis. Er weist die Zahl der Bewertungen aus, die in den letzten 365 Tagen wegen Diffamierungsbeschwerden nach deutschem Recht entfernt wurden. Die Anzeige erscheint in Stufen, von einer einzelnen Löschung über Spannen wie 21 bis 50 oder 51 bis 100 bis hin zu "über 250".
Was die Zahl in Kontext setzt: Laut PPC Land entfallen 99,97 Prozent aller Defamation-Löschungen auf Google Maps in der EU auf deutsche Unternehmen. Bei 27 Mitgliedsstaaten ist das eine Konzentration, die ohne den juristischen Sonderweg dieses Landes schwer zu erklären ist.
Der Hinweis ändert nichts am lokalen Ranking. Was er ändert, ist die öffentliche Lesbarkeit eines Profils. Die Range-Logik glättet exakte Zahlen, macht den Trend aber sichtbar.
Sachlich ungerechtfertigte Meinungen: Die deutsche Diffamierungs-Falle
Das deutsche Diffamierungsrecht setzt eine Hürde, die niedriger liegt als in den meisten anderen Rechtssystemen. Unternehmen können nicht nur diffamierende Aussagen anfechten. Sie können auch geltend machen, dass die bewertende Person nie Kund:in war. Solange kein Gegenbeweis vorliegt, ordnen Gerichte in der Regel die Löschung an.
Google nennt das in den eigenen Support-Dokumenten als Hauptgrund für den Großteil der Löschanträge in Deutschland. Die Beweislast verschiebt sich faktisch zur bewertenden Person. Sie muss innerhalb einer Frist reagieren, sonst verschwindet die Bewertung automatisch.
Ein Düsseldorfer Urteil vom Januar 2025 hat den Hebel zusätzlich verstärkt. Das Landgericht stuft Plattformen unter dem Digital Services Act als haftungsfähige "Störer" ein. Für Google ist die Konsequenz nüchtern. Das Risiko einer Haftung wiegt schwerer als die einzelne Bewertung. Das Ergebnis sehen wir jetzt, sichtbar pro Profil.
Düsseldorf, Tübingen, Kiel: Was Reddit-User:innen aus den Daten machen
Auf Reddit laufen seit Tagen Threads in lokalen Subreddits. r/duesseldorf, r/Tuebingen, r/kiel und mehrere weitere sammeln Listen mit auffälligen Profilen. Aus dem Diffamierungs-Hinweis wird ein Datenpunkt, den Reddit-User:innen selbst auswerten.
Wie groß der Effekt im Einzelfall ist, hängt am Größenverhältnis. Bei großen Profilen mit mehreren tausend Bewertungen verschiebt eine dreistellige Löschzahl den Sterne-Schnitt sichtbar, bleibt aber moderat. Bei kleinen Profilen kippt das Bild.
Der Apple-Blog appgefahren.de schildert ein Lokal in Nachbarschaft des Redakteurs mit 56 Bewertungen, einem 4,7-Sterne-Schnitt und 21 bis 50 Löschungen im letzten Jahr. Wenn fast die Hälfte aller jemals abgegebenen Bewertungen verschwunden ist, ist die angezeigte Note kein verlässlicher Wert mehr. Genau das macht den Hinweis für Nutzer:innen wertvoll und für Inhaber:innen unbequem.
Reputation lässt sich nicht mehr leise polieren
Die Implikation für Marken in Deutschland ist direkt. Wer Reputation in Local Search bisher über den juristischen Weg geglättet hat, hat das jetzt sichtbar gemacht. Der Hinweis funktioniert als lesbares Vertrauenssignal.
Hinzu kommt die zweite Ebene. Google Business Profile, von vielen noch als Google MyBusiness gesucht, ist die Datenschicht, die Gemini, Search und Maps füttert. KI-Antworten greifen auf Bewertungen, Schnitte und Profilmerkmale zu. Der Diffamierungs-Hinweis wird perspektivisch mitgelesen. Wer in KI-Antworten zitiert werden will, muss damit rechnen, dass auch dieses Signal ankommt.
Aus unserer Sicht profitiert relativ, wer ehrlich gut ist. Wer den juristischen Weg gewählt hat, bekommt ein dauerhaftes Bremslicht. Wer Local Search ernst nimmt, sollte den eigenen Hinweis kennen, den Mitbewerb prüfen und SEO und GEO als zusammenhängenden Datenraum verstehen. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt unser Case mit Altano im Bereich SEO und AI-Search.
Wenn ihr eure Sichtbarkeit in Local Search und KI-Antworten neu denken wollt, sprechen wir gerne darüber.
Quellen: PPC Land, ppc.land; Google Support, support.google.com; Smartdroid, smartdroid.de; Appgefahren, appgefahren.de.
Fazit
Mit dem Diffamierungs-Hinweis bringt Google erstmals einen nationalen Sonderweg sichtbar in die eigene Plattform. Für Marken in Deutschland verschiebt sich damit die Balance zwischen rechtlich gedeckter Löschung und öffentlich lesbarer Reputation. Ehrliche Performance gewinnt relativ. Der juristische Weg trägt jetzt ein sichtbares Etikett.
